Mittwoch, Januar 23"Satyam Vada, Dharmam Chara" - Taittiriya Upanishad

Liebe in Indien – Von Maria Wirth

Alle suchen nach Liebe, doch oft rennen wir ihr unglücklich hinterher und scheinen sie niemals festhalten zu können.

Es war ziemlich am Anfang meines Aufenthalts in Indien. Ich war erst vor gut einem Jahr aus Deutschland abgereist und in Indien gelandet, und doch war meine Weltanschauung schon heftig ins Wanken geraten. Wohl in keinem anderen Land stellen sich so schnell grundlegende Fragen über Gott und die Welt wie in Indien.

Eine dieser grundlegenden Fragen betraf die Liebe. Ich wollte mir über das große Thema Liebe klar werden. Dazu zog ich mich in den Himalaya zurück – nach Nepal, denn mein Visum für Indien war gerade abgelaufen. Etwas außerhalb von Pokhara mietete ich mir an einem Berghang ein alleinstehendes Lehmhaus einfachster Kategorie. Es ähnelte einem Schuppen: ein einziger Raum mit einer Feuerstelle und einem Holzbett. Die Tür war verzogen und nicht verschließbar. Die Wände hatten mehrere kopfgroße Löcher, in denen lose Steine lagen. Nachts wimmelte es außerhalb des Mosquitonetzes von Ratten. Auf dem Weg zur Quelle begegnete ich nur Kühen und Wasserbüffeln. Ich wollte allein sein – und das war ich dort. Ich wollte mir in Ruhe über die Liebe klarwerden.

Ich hatte den Eindruck, dass ich umdenken musste, wenn ich dem, was ich für richtig hielt, treu bleiben wollte: Ich musste dem Verliebtsein, das ich immer für so attraktiv gehalten hatte, einen anderen, weniger wichtigen Stellenwert zuordnen und musste mir klarer darüber werden, was die indischen Weisen unter „echter“, unter „wahrer“ Liebe verstehen.

Wahre Liebe ist absichtslos
„Echte Liebe ist zwischen Individuen nicht möglich“, behauptet Anandamayi Ma. Und: „Echt, wahr und dauerhaft tief beglückend ist nur die Liebe zu Gott“, wobei unter Gott Brahman zu verstehen ist, das Eine, das unser aller Selbst ist. Es ist eine Standardweisheit in Indien, mit der ich von Anfang an konfrontiert wurde. Unsere menschlichen Formen von Liebe verdienen nach Ansicht der Weisen eigentlich gar nicht das Wort Liebe. Sie schlagen Ausdrücke wie Anziehung, Zuneigung, Freundschaft, eventuell sogar Verblendung für unsere Liebesgefühle vor, denn es sind immer mehr oder weniger egoistische Absichten mit im Spiel. Echte Liebe dagegen ist absichtslos, das heißt, ohne jeden Gedanken an sich selbst. In ihr verschwinden alle Grenzen, heißt es, und die Einheit von allem steht enthüllt. Folgende Analogie wird oft herangezogen:

Die Welle (das Individuum) ist mit dem riesigen Ozean (dem Ganzen, Gott) aufs Innigste verbunden. Wenn die Welle ihren Blick nur auf andere Wellen fixiert, einige wenige auswählt, um sie mit ihrer Liebe zu beglücken und von ihnen beglückt zu werden, so ist diese Liebe beschränkt, eng, kleinkariert und ganz bestimmt nicht ewig, wie sie vielleicht träumt. Ewig ist einzig und allein ihre Einheit mit dem Ozean, und der ist außerdem als Liebhaber viel attraktiver, denn er ist immer voll gegenwärtig, unsterblich, und die Welle ist ohnehin schon immer mit ihm vereint. Er ist ihre große Liebe, auch wenn sie es nicht weiß. Wenn die Welle es unverständlicherweise, ja dummerweise vorzieht, sich für eine vom Ozean abgetrennte Welle zu halten, und den Ozean vor lauter anderen Wellen gar nicht sieht, wird sie unter der Illusion leiden, es fehle ihr an Liebe, und sie müsse bei den Wellen danach suchen.

„Lass dich nicht vom Schein einfangen“, raten die Weisen. „Die Sinne täuschen. Hinter allen Namen und Formen, den schönen wie den hässlichen, findet sich nur das Eine.“ – „Stell dir die Projektion eines Filmes vor“, rät Ramana Maharshi, der große Weise aus Tiruvannamalai. Die verschiedenen Personen und ihre Handlungen faszinieren, aber sie haben keine Substanz in sich selbst. Substanz hat nur die Leinwand, auf der sie alle erscheinen. Diese Leinwand ist ein Gleichnis für das eine Bewusstsein.

Bei einer Busfahrt zwischen Konârak und Puri hatte ich das einmal klar gesehen. Es war früher Nachmittag, und ich ließ das wegen der Hitze träge Leben in den Dörfern draußen an mir vorüberziehen. Plötzlich wirkten alle Häuser, Büffel, Kühe, Menschen, Bäume durchsichtig, ohne jede Festigkeit. Ich schaute durch sie hindurch, die Erscheinungen waren nicht das Wesentliche. Es dauerte einige Augenblicke, und dann sah ich wieder normal. Doch die Erinnerung blieb, und sie hilft, mir diese Transparenz der Erscheinungen, von der Ramana Maharshi spricht, nahezubringen.

Ich wusste nicht nur intellektuell, dass ein Ganzes hinter all der Vielfalt steht, was ohnehin aufgrund der neuen Erkenntnisse der Wissenschaft heutzutage niemand mehr ernsthaft in Frage stellen kann. Und ich wusste deshalb auch, dass die Inder mit ihrer Analyse von Liebe Recht haben, und dass tatsächlich nur die Liebe zu „Gott“ wirklich und dauerhaft erfüllend sein kann, weil Er allein ist, was wirklich existiert.

Das All-Eine lieben – wie macht man das?
Das einzusehen, war eine Sache. Nach dieser Einsicht zu leben, war eine andere. Ich saß auf dem Absatz aus festgestampftem Lehm vor meinem Haus, zu meiner Rechten das gewaltige Annapurna-Massiv, unter mir der glitzernde See, und in meinem Kopf Gedanken, die mir fast wehtaten. Einerseits konnte ich nicht länger vertreten, dass ich ein bestimmtes Stückchen der Leinwand lieber habe, mit meinen Augen immer nur dieses eine Stückchen suche, andererseits war es aber keineswegs so, dass mir die ganze Leinwand aufgrund meiner Einsicht plötzlich gleich schön und liebenswert erschien. Ich kam mir vor wie jemand, der zwar weiß, dass sich die Erde um die Sonne dreht, aber immer nur sieht, dass sich die Sonne um die Erde dreht.

Es gab noch eine weitere Schwierigkeit: Wenn ich ehrlich in mich hineinfühlte, war die Liebe, die ich für Gott empfand, nicht besonders groß. Zumindest hätte ich das, was ich für Ihn empfand, nicht „wahre“ Liebe genannt. Ja, ich konnte mir schwer vorstellen, wie ich das allumfassende, den Sinnen nicht zugängliche Eine wirklich tief lieben könnte. Mussten da nicht wenigstens Augen sein, in die ich schauen konnte? Ich bat ehrlich: „Lass mich Dich lieben lernen.“ Die damit einhergehende weitere Bitte fiel mir schon viel schwerer: „Lass es nicht mehr passieren, dass ich mich verliebe, sondern lass mich alle gleich gern haben.“

Ich versuchte mich damit abzufinden, dass ich jetzt mit einer mittelmäßigen Liebe für alle mein Leben lang auskommen müsste, ohne mein Herz an die gelegentlichen Glanzpunkte hängen zu dürfen, die mein Leben bisher zum Strahlen brachten. Ich glaubte jedoch nicht wirklich, dass die ganze „Leinwand“ meine große Liebe werden könnte und ich dadurch für diesen Verzicht entschädigt würde. Das Eine war irgendwie so substanzlos, unfassbar, wie Luft. Aber es half nichts: Ich musste versuchen, Liebe zu Ihm zu entwickeln, und Es an die erste Stelle setzen – obwohl ich das schmerzliche Gefühl hatte, dass ich mit dem Verliebtsein ein geliebtes Spielzeug hergeben sollte, wusste ich gleichzeitig, dass es sein muss – vielleicht nicht gleich, aber irgendwann bestimmt.

Mit solchen Überlegungen hatte ich mich ziemlich weit von der westlichen Normalität entfernt. Doch was Indien betraf, war ich gerade dabei, mich in Richtung Normalität zu bewegen. Liebe zu Gott entwickeln zu wollen, ist hier nämlich normal – und wichtig. Schließlich ist das Leben dazu da, die Wahrheit zu erkennen, und dafür gibt es im Wesentlichen zwei Methoden:

Die eine heißt Jnana, was Weisheit bedeutet. Bei ihr geht es darum, sich immer die Wahrheit, das heißt, das eine, grenzenlose Sein zu vergegenwärtigen, sich dieser Einheit bewusst zu sein, sich mit ihr zu identifizieren und die Realität der vielfältigen Erscheinungswelt radikal und kontinuierlich zu verneinen. Das ist der schwierigere Weg, erklärt Krshna in der Bhagavad-Gita.

Die andere Methode heißt Bhakti, was Hingabe bedeutet. Dabei geht es darum, Liebe zu Gott, zum wirklichen Selbst zu entwickeln und sich in Ihm aufzulösen. Sowohl bei Jnana als auch bei Bhakti geht es darum, dass das Ego verschwindet. Der Bhakti-Weg ist leichter, erklärt Krshna. Und da er den Menschen kennt und weiß, dass er etwas Konkretes zum Lieben braucht, schlägt er Arjuna vor: „Liebe mich“. Oder liebe Rama, Shiva, die Göttliche Mutter, oder liebe Jesus, Buddha, usw. Die Inder überlassen einem die Wahl und bieten eine ganze Reihe von Persönlichkeiten mit den edelsten Charakterzügen an – als Hilfsmittel.

Die Inder hören es von klein auf: Allein Bhakti, die Liebe zu Gott, erfüllt. Und sie kennen genügend Geschichten von Heiligen, die von dieser Liebe brannten, ja regelrecht verrückt vor Liebe waren. Ein Beispiel dafür ist Chaitanya Mahaprabhu, ein Logikprofessor der renommierten, mittelalterlichen Nalanda-Universität, der schließlich alle Logik beiseite ließ und singend und tanzend durch die Straßen zog – immer den Namen Krshnas auf den Lippen. „Achinta“ („ohne Gedanken“) soll er gesagt haben, als er die Universität verließ. Auf ihn geht die Hare-Krshna-Bewegung zurück. Oder Swami Ramdas (gestorben 1963) aus Kerala, der so vor Liebe überfloss, dass er die Bäume vor seiner Höhle am Berg Arunachala umarmte.

Die Liebe zwischen Mann und Frau
Natürlich streben nicht alle Inder so konsequent nach Bhakti, denn die Attraktionen der Welt sind auch für sie beträchtlich. Aber im Gegensatz zu ihren Zeitgenossen im Westen erwarten sie von der Liebe zwischen Mann und Frau in der Regel nicht alles Glück dieser Erde. Sie geben deshalb Liebesgefühlen nicht so viel Gewicht und müssen sich nicht jeden Wunsch erfüllen. Wenn sie eine Anziehung spüren, ist es keineswegs selbstverständlich, dass sie Kontakt und Nähe suchen.

In Indien wird auch normalerweise nicht ausprobiert, ob sich eine Beziehung bewährt. Wenn die Tochter oder der Sohn ins heiratsfähige Alter kommt, wird gezielt gesucht. In den meisten Fällen suchen immer noch die Eltern, und die alten Schriften geben Kriterien an, die bei der Wahl zu berücksichtigen sind – ein ähnlicher Familienhintergrund zum Beispiel, körperliche und geistige Gesundheit im Hinblick auf die Nachkommen, usw. Bei den oberen Kasten werden auch zumeist die Horoskope verglichen. Keine Rolle spielt dagegen, ob die jungen Leute sich ineinander verlieben, wenn sie sich im Familienkreis zum ersten Mal sehen. Erstaunlich ist, dass bei vielen Jugendlichen unsere westliche Methode der „Liebesheirat“ auch heute noch keinen hohen Stellenwert einnimmt. Sie überlassen die Wahl anscheinend gerne den Eltern, obwohl die Medien alles versuchen, die jungen Inder „modern“ zu machen.

„Die Eltern haben mehr Erfahrung, kennen ihre Kind und können besser beurteilen, wer zu ihnen passt“, versuchte mir Sunita, eine 25-jährige Programmiererin aus Bangalore, ihre Einstellung verständlich zu machen. „Ich halte es für recht riskant, sich aufgrund eines Gefühls ein Leben lang zu binden.

Aber dann wiederum – ihr bindet euch ja nicht ein Leben lang. Beim ersten Streit lasst ihr euch scheiden, oder? Das finde ich nicht gut. Ich könnte mich nie sicher fühlen“, fügte sie hinzu. „Bei uns entwickelt sich die Liebe nach der Hochzeit, und bei euch im Westen hört sie mit der Hochzeit auf“, brachte ein junger Mann es scherzhaft auf einen kurzen Nenner. Und eine junge Frau aus dem Panjab im Norden Indiens, die seit ihrer Hochzeit in Amerika lebt, erklärte: „Wenn wir aufwachsen, haben wir kaum Kontakt mit dem anderen Geschlecht. Wenn man schließlich bei der Hochzeit jemandem vom anderen Geschlecht zum ersten Mal nahekommt, wird man sich aller Wahrscheinlichkeit nach in ihn oder sie verlieben.“ Wie lange diese Liebe nach der Hochzeit hält, ist natürlich auch in Indien die Frage. Und auch in Indien ist eine Scheidung inzwischen nicht mehr die große Ausnahme.

Sunita, die Programmiererin aus Bangalore, sah noch einen anderen Nachteil bei der im Westen üblichen Liebesheirat: „Da wäre ich ja ständig im Stress, dass sich jemand in mich verliebt, müsste mich ständig anbieten, mich von meiner besten Seite zeigen. Was für ein entsetzlicher Stress!“

Eine Bekannte aus Chennai (früher Madras) hatte diesen Stress. Sie war zierlich, hübsch und immer adrett gekleidet, und sie stammte aus einer christlichen Familie, wo westliche Gepflogenheiten höher im Kurs stehen. „Such dir selber jemanden“, hatte ihr Vater zu ihr gesagt. Statt sich über seine für unsere Begriffe moderne Einstellung zu freuen, erklärte sie mir enttäuscht, dass ihr Vater sich vor seiner Verantwortung drückte und die Mitgift sparen wollte. Sie war schon 26, hatte ihr Studium abgeschlossen und auch einmal einen Freund gehabt. Doch der hatte sich nicht zu einem Bruch mit der Tradition entschließen können und überließ letztendlich seinen Eltern die Suche nach einer Braut. Dann kam ein Deutscher. Er verliebte sich in sie und wollte, dass sie nach Deutschland nachkommt – zur Hochzeit. Ich traf sie am Abend vor ihrem Abflug. Sie war aufgeregt, freute sich und zeigte mir stolz ein Foto von ihm. Als sie in Deutschland ankam, wurde sie auf drastische Weise mit unserem Lebensstil vertraut: Der junge Mann, den sie für ihren Bräutigam hielt, hatte sich gerade in eine andere Frau verliebt. Von Heirat war keine Rede mehr.

War das, was er für sie in Indien empfunden hatte, wirklich Liebe? Wahrscheinlich hätte er es geschworen, als er sie heiraten wollte. Bei ihr bin ich mir nicht so sicher, ob sie es Liebe genannt hätte, was sie für ihn empfand. Sie wollte einen Mann, wollte Kinder, und er gefiel ihr. Sie war bereit, eine Familie mit ihm aufzubauen, konnte sich vorstellen, dass Harmonie mit ihm möglich ist.

Liebe in sich selbst finden
Ich fragte mich in meiner Hütte in Nepal, ob unsere westliche Einstellung, bei der die Liebe zwischen Mann und Frau das höchste aller Gefühle ist, „Nächstenliebe“ an Wohlfahrtsorganisationen delegiert wird und Liebe zu Gott erst gar nicht unter „Liebe“ fällt, wirklich der Weisheit letzter Schluss ist. Ich zweifelte nicht, dass wir ehrlich nach Liebe suchen, auch ehrlich Liebe geben wollen. Aber ich hatte den Eindruck, dass es uns an Weisheit fehlt.

Die Inder haben ihre jahrtausendealte Tradition und die darin enthaltene Weisheit noch nicht vollständig zum Fenster hinausgeworfen (obwohl viele, besonders in den Städten, inzwischen munter dabei sind, es zu tun). Sie wissen noch, wo sie Glück und Liebe suchen müssen: in sich selbst nämlich.

Da war es wieder – das zentrale Thema der indischen Weisheit: Das, wonach ich mich wirklich sehne, ist nur in mir selbst zu finden. Ich habe alle Liebe dieser Welt in mir, allerdings spüre ich sie nicht, solange ich „draußen“ suche. Leider ist dieses eifrige „draußen Suchen“ die natürliche Tendenz unsere Sinne und unseres Geistes – eine Tendenz, die uns in der Illusion, eine Welle zu sein, gefangenhält und der „Vereinigung“ mit dem Ozean im Wege steht.

Die Weisen raten, sich dieser Tendenz bewusst zu sein, sich überhaupt bewusst zu sein, was in einem und um einen herum vor sich geht. Sie nennen es Zeugenbewusstsein. Dieses Zeugenbewusstsein schafft eine gewisse Distanz zur Welle und bricht die Identifizierung mit ihr. Es erweitert und vertieft sie sozusagen in Richtung Ozean. Die Wahrheit wird dadurch vertrauter, intimer – und mit ihr wahre Liebe.

Wem dieses Zeugenbewusstsein schwer fällt oder zu substanzlos erscheint, dem raten die Weisen, Gedanken und Gefühle auf Gott hin zu richten – ruhig auf einen persönlichen Gott, auf ein „Du“. Stell dir vor, dass Gott bei dir, um dich herum, in dir, dass er dein bester Freund ist, raten sie. Wir haben uns nämlich in die Illusion, dass die Vielfalt in der Welt real ist, durch Denken hineinmanövriert, und wir können uns durch Denken bis zu einem gewissen Grad herausmanövrieren, durch ein Denken nämlich, das der Wahrheit näherkommt. Denn in Wahrheit ist derjenige viel mehr ein Realist, der überall und in allem, auch in sich selbst, den Einen Gott sieht, als derjenige, der Bäume, Tiere, Menschen, Gott als getrennt von sich sieht, auch wenn Augenschein und der scheinbar gesunde Menschenverstand anders urteilen.

Noch während des Studiums hatte ich in mein Tagebuch geschrieben: „Die Liebe, die ich will, krieg‘ ich nur von Gott.“ Als ich diesen Satz viel später wieder las, war ich selber überrascht, denn „Gott“ war damals in meinem Wortschatz kaum vorgekommen.

In Indien merkte ich, dass der Satz nicht dumm war, und der Traum von der ewigen großen Liebe nicht unrealistisch ist. Liebe ist so nah, so real, dass es erstaunlich ist, wenn ich sie nicht fühle. Sie ist aufs Innigste mit meinem Sein verbunden. Ich muss nur still sein, manchmal zumindest. Darf nicht voll aufs Denken bauen, sondern muss dem Sein in Stille eine Chance geben. Es ist nicht leicht, Pausen zu schaffen. Aber wenn ich nur etwas öfter „gedankenlos“ wäre, würde wahre, ewige Liebe mich sicherlich immer mehr wonnig durchströmen und ganz automatisch nach „draußen“ fließen – nicht nur auf ein kleines Stückchen der Leinwand, sondern vielleicht sogar wie selbstverständlich die ganze Leinwand überströmen.

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